ÄquaToren

Der Äquator teilt unsere Erde in Norden und Süden – klare Sache.
Dort, am Äquator, ist sonnenklar wo Osten und Westen sind – Im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter.
Aber, wenn man genauer hinsieht, ist das nicht so klar mit Norden und Süden: Im Sommer, also von Norden aus gesehen, dann, wenn im Süden Winter ist, bewegt sich am Äquator die Sonne im Norden von Ost nach West. Im Winter, also von Norden aus gesehen, dann, wenn im Süden Sommer ist, bewegt sich am Äquator die Sonne im Süden von Ost nach West. Sie, Du und ich – wir wissen natürlich, dass die Erde sich bewegt und nicht die Sonne. Aber es sieht so aus und man hat sich daran gewöhnt zu sagen: Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter. Und gibt es Schöneres, als vom Gletscher eines Andenvulkans den Sonnenaufgang über dem endlosen Amazonasurwald zu genießen, oder unter Palmen am Strand der Pazifikküste den Sonnenuntergang im weiten Ozean?
Gut, Menschen können irren.
Aber selbst das unschuldige, anscheinend törichte, Element Wasser weiß am Äquator nicht, in welche Richtung es sich drehen soll, wenn der Badende den Stöpsel aus der Wanne gezogen hat. Mal dreht sich der Strudel nach links, mal nach rechts. Und sagen Sie einem Taxifahrer in Quito, er solle nach rechts abbiegen – er steuert garantiert nach links.
In Südamerika braucht man am Äquator im Winter nicht zu frieren. Es gibt keinen Winter. Selbst hoch in den Bergen bis dreitausendzweihundert Meter Höhe über dem Meer lässt es sich gut leben. Sogar die Kartoffel gedeiht dort noch. Und weil es außerdem genug regnet, haben viele Völker auf ihrer Wanderschaft hier halt gemacht, sich vermehrt und um das gesegnete Land in den Bergen und in den Ebenen gekämpft. Sie kamen vor Tausenden Jahren aus Nordostasien, vor 500 Jahren von der Iberischen Halbinsel, wenig später, unfreiwillig, aus Westafrika, dann auch einige freiwillig aus der Levante, vor 90 Jahren, eher unfreiwillig, aus Europa und schließlich die Freiwilligen aus den USA, Europa und vor allem – Deutschland. Von Letzteren, und was sie mit den Nachfahren der vorher Gekommenen erlebten, sei hier die Rede.